DAS 1. STADTFORUM: FOKUS ANALYSE UND IDEEN

Wie sehen Sie die Zukunft Ihrer Stadt? Was ist heute schon gut? Was muss besser werden? Mit dem ersten Stadtforum startete am 23.August 2017 der Stadtdialog FOKUS ZUKUNFT – BAD HOMBURG 2030 im Kurhaus Bad Homburg. Mehr als 650 interessierte Bürgerinnen und Bürger sind der Einladung gefolgt – alle Plätze im Landgraf-Friedrich Saal waren restlos belegt. Das Stadtforum setzte als erstes von vier öffentlichen Veranstaltungen den Startschuss für den Stadtdialog zum Integrierten Stadtentwicklungskonzept BAD HOMBURG 2030. Die Ergebnisse des Stadtdialogs gehen in das Konzept ein.

Überragendes Engagement der Stadtgesellschaft

„Ich glaube Bad Homburg übertrifft alles, was wir an Engagement in Sachen Beteiligung in Städten bislang erleben durften. Das zeigt sowohl die heutige Teilnehmerzahl als auch die Menge an kreativen „Grüßen aus der Zukunft“ die uns per Postkarte im Vorfeld erreicht haben“ stellte die Moderatorin Kristina Oldenburg, KOKONSULT, Frankfurt, die gemeinsam mit IMORDE, Berlin/Münster, den Stadtdialog konzipiert und begleitet, zur Eröffnung der Veranstaltung fest.

Wichtige Hinweise für ein „Regiebuch“ der künftigen Stadtentwicklung

In seiner Begrüßung machte Alexander Hetjes, Oberbürgermeister der Stadt Bad Homburg, deutlich, worum es geht: „Heute geben wir den Startschuss für einen Diskurs rund um die Frage, wie unsere Stadt im Jahr 2030 aussehen soll. Dabei setzen wir auf die Initiative möglichst vieler Bürgerinnen und Bürger. Dieser gemeinsame Prozess soll im Sommer 2018 abgeschlossen werden und in einen Zukunftsplan für Bad Homburg 2030 münden. Als ein„Regiebuch“ soll es Orientierung für die Stadtentwicklung in den nächsten Jahrzehnten geben.“ Dabei sei es wichtig miteinander in den Austausch zu treten und voneinander zu lernen, denn „wir wollen ein Bad Homburg 2030 für die Menschen, die hier leben. Deshalb möchten wir Ihnen zuhören und die Gelegenheit geben, zu allen Themen die Sie interessieren uns eine Rückmeldung zu geben“, so Hetjes weiter.

Stadtplanung ist Zukunftsgestaltung für den künftigen Lebensalltag

Wie könnte nun ein Tag in Bad Homburg im Jahr 2030 aussehen? Holger Heinze, Leiter des Fachbereichs Stadtplanung, umriss in seiner Einführung eine mögliche Vision für die Stadt in der Zukunft. Anhand eines exemplarischen Tagesablaufs machte er deutlich, wohin eine aufmerksame und vorausschauende Stadtplanung führen kann und warum eine Mitsprache jetzt wichtig ist: „Stadtplanung ist Zukunftsgestaltung. Sie muss die verschiedenen Interessen in einer Stadt berücksichtigen und austarieren. Es wird Sie vielleicht überraschen, wie viele Aspekte unseres Alltags zwischen Aufstehen und Zubettgehen dadurch berührt werden. Ein von uns allen getragenes Entwicklungskonzept mit einer Perspektive bis 2030 gibt der Politik und der Stadtverwaltung eine Basis für alle wesentlichen, künftig zu fällenden Entscheidungen, die letztendlich unseren Lebensalltag betreffen.“

Gemeinsame Betrachtung der Themen als Schlüssel

Svenja Knuffke, die als Projektleiterin die fachplanerische Bearbeitung des Konzepts beim Frankfurter Planungs- und Architekturbüro Albert Speer & Partner, Frankfurt am Main, verantwortet, erläuterte in ihrem Vortrag die Aufgabenstellung, den Erstellungsprozess und Trends, die es für die Bearbeitung zu beachten gilt: „Das Stadtentwicklungskonzept möchte alle Themen gemeinsam, also integrativ betrachten und möchte daraus Leitplanken entwickeln für die künftige Entwicklung der Stadt. Da viele Entscheidungen viel Zeit beanspruchen, ist es wichtig, bereits heute die notwendigen Schritte einzuleiten.“ So könnten Herausforderungen überlegt und planvoll mit den richtigen Maßnahmen und Projekten angegangen werden. Der demografische Wandel, ein sich veränderndes Mobilitätsverhalten, der Klimawandel, ein neues Gesundheitsbewusstsein oder der verstärkte Zuzug in Ballungsräume seien allgemeine Trends, die bereits heute auch in Bad Homburg spürbar sind und für die Entwicklung der nächsten Jahre ausschlaggebend seien werden.

Für das Integrierte Stadtentwicklungskonzept wurden fünf erste zentrale Handlungsfelder definiert: „Wohnen und Leben“, „Stadtbild, Kur und Kultur“, „Mobilität“, „Arbeiten und Einkaufen“ sowie „Umwelt und Landschaft“, wobei hier auch immer die Rolle der Stadt in der Region mit betrachtet werden soll. „Wir müssen die Stadt nicht in allen Aspekten neu erfinden. Ganz im Gegenteil: Bad Homburg kann auf zahlreiche Qualitäten bauen, die wir weiter stärken wollen. Dennoch kommen wir beispielsweise bei den räumlichen Entwicklungsmöglichkeiten schnell an Grenzen. Auch der Charakter als Pendlerstadt, eine hohe Autoaffinität oder der Mangel an bezahlbarem Wohnraum in einer immer älter werdenden Gesellschaft bergen Herausforderungen“, so Knuffke weiter. Alles in allem gelte es, das, was bereits da ist, noch besser zu machen und die noch fehlenden Punkte zu ergänzen.

Themeninseln sammeln 1.700 Hinweise „aus erster Hand“ – „Wohnen und Leben“ und „Mobilität“ als Top-Themen

Hier setzten die Diskussionen im zweiten Block der Veranstaltung an. Dafür standen im Foyer extra aufgebaute „Themeninseln“ bereit – zu jedem der fünf Handlungsfelder eine. An großen Tischen gab es Stellwände mit Stadtplänen, Kommentarkarten und Stiften. „Was ist schon gut in Bad Homburg?“, „Was muss noch besser werden?“ und „Was ist meine Idee für die Stadt?“ – diese Fragen bildeten die Grundlage für einen intensiven Austausch zwischen der Stadtgesellschaft, Vertreterinnen und Vertretern der Stadtverwaltung sowie den Fachbüros. Innerhalb der zur Verfügung stehenden Stunde wurde intensiv gearbeitet: Über 1.700 Kommentare, Anregungen und Ideen konnten gesammelt werden. Sie geben wichtige Hinweise „aus erster Hand“ und dienen als Grundlage für die weitere Erarbeitung des Konzepts. Dabei zeigte sich, dass vor allem die Themen „Wohnen und Leben“ (471 Kommentare) und „Mobilität“ (458 Kommentare) das größte Interesse weckten, gefolgt von „Stadtbild, Kur und Kultur“ (302 Kommentare), „Arbeiten und Einkaufen“ (253 Kommentare) sowie „Umwelt und Landschaft“ (236 Kommentare).

Erste Eindrücke wurden abschließend in einem von Kristina Oldenburg moderierten Podiumsgespräch im Plenum zusammengetragen. Laut Barbara Callenberg, Fachbereichsleiterin Soziales, Jugend und Wohnen spannte sich beispielsweise im Bereich „Wohnen und Leben“ ein breites Themenfeld auf: von der Notwendigkeit bezahlbaren Wohnraums über den Wunsch nach alternativen, unkonventionellen Wohnformen für verschiedene Generationen, die auch eine kreative Verknüpfung von Wohnen und Arbeiten ermöglichen, bis hin zu Möglichkeiten, die öffentlichen Räume auch wirklich lebendig nutzen zu können, indem zum Beispiel auch mal im Kurpark ein Picknick erlaubt wäre. Auch die Nachjustierung bei den Öffnungszeiten der bestehenden Kitas bzw. die hohe Nachfrage nach neuen Kitaplätzen in allen Ortsteilen waren Gegenstand der Diskussionen. „Uns freut zu hören, dass die Attraktivität der Stadt auch mit den heute schon sehr gut ausgestatteten Kitas zusammenhängt. Hier haben wir viel Wertschätzung bekommen“, beschrieb Barbara Callenberg ihre positiven Eindrücke.

Das Themenfeld „Stadtbild, Kur und Kultur“ wurde sehr differenziert und zum Teil auch kontrovers diskutiert. „Sind wir nur historische Stadt oder trauen wir uns auch modern zu sein?“ war beispielsweise ein Kommentar am Tisch, wie Svenja Knuffke beschreibt. „Wollen wir eher bewahren oder wollen wir künftig auch vermehrt neue Angebote zum Beispiel für die Jugend schaffen?“ fasste sie das Spannungsfeld zusammen, das in der Diskussion erkennbar wurde. „Die bereits existierende hohe Gestaltqualität vor allem im Innenstadtbereich wird von den Bürgerinnen und Bürgern auch für künftige Projekte eingefordert. Die Stadt soll weiterhin durch ein stimmiges Gesamtbild geprägt sein.“ Auch die Auswirkungen von Hochhäusern oder neuer Mobilität auf das Stadtbild wurden diskutiert. Als ein weiterer Punkt wurde genannt, dass sich das bestehende multikulturelle Bad Homburg durchaus noch besser im überwiegend als sehr gut wahrgenommenen Kulturangebot abbilden könne.

Zum Thema „Mobilität“ spielten sowohl mögliche Flächenkonkurrenzen zwischen Verkehrsflächen, landwirtschaftlichen Flächen und anderen Nutzungen eine Rolle in den Diskussionen als auch ein dringend notwendiges Radverkehrskonzept zur Verbesserung der Fahrradinfrastruktur. „Radverkehr war an allen Tischen ein großes Thema. Dabei gab es beispielsweise Befürwortung von Radverkehr durch den Kurpark, aber auch klare Ablehnung“, beschreibt Holger Heinze die durchaus kontroversen Diskussionen. Auch mit Blick auf Luftreinhaltung und den damit verbundenen Status als Kurstadt spielte die Diskussion um Mobilität beispielsweise durch einen Ausbau von Elektromobilität eine wichtige Rolle. Auch die Verlängerung der U-Bahnlinie U2 wurde in verschiedenen Facetten thematisiert und gewünscht.

Lob und Dank für konstruktive Atmosphäre

Für Oberbürgermeister Alexander Hetjes stand vor allem die konstruktive Atmosphäre des Dialogs im Mittelpunkt seines Resümees: „Ich möchte mich noch einmal bei Ihnen allen für diesen sensationellen Auftakt bedanken. Lassen Sie uns weiterhin so ideenreich am Ball bleiben für die Zukunft unserer Stadt.“

Wie geht der Stadtdialog FOKUS ZUKUNFT BAD HOMBURG 2030 weiter?

Kristina Oldenburg erläuterte, was mit den zahlreichen Kommentaren und Ideen weiter passiert und welche Angebote der Online-Dialog sowie der Vor-Ort-Dialog bereithalten. Die Ergebnisse des Stadtforums werden derzeit zusammengestellt und mit Blick auf eine mögliche Verwendung im Integrierten Stadtentwicklungskonzept BAD HOMBURG 2030 ausgewertet. Auch sämtliche Kommentare aus der vorangegangenen Postkartenaktion, dem parallel laufenden Online-Dialog und den Vor-Ort-Dialogen fließen ein. Die Ergebnisse finden Sie ab Mitte Oktober gebündelt auf dieser Webseite. Die Ergebnisse werden als Grundlage unserer gemeinsamen Diskussion am 7. Dezember, dem 2. Stadtforum im Kurhaus, dienen. Wir freuen uns, wenn Sie live dabei sind.

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